Unsere Welt - Das Leben der Gehörlosen
Erfahrungsberichte
aus dem Leben
Schule:
Erfahrungsberichte von Sarah :
Schwerhörigen Grund - und Hauptschule Johanneskirchen in München
In einer Klasse sind meistens immer einige Schwerhörige aus einem Gehörlosenelternhaus, die somit auch die Gebärdensprache beherrschen. So tauscht man schnell Informationen zum Unterricht oder private Erzählungen in Gebärdensprache aus, wenn der Unterricht etwas langweilig ist oder wie auch immer. Eine Klasse berichtete, dass die Klassenlehrerin es untersagte im Unterricht zu gebärden, da es zu laut wäre! Die Lehrerin meinte, dass das anstoßen des Armes am Tisch zu laut wäre, aber das nicht der Fall war, den kleine Gebärden sind genauso lautlos wie große Gebärden (wenn man sich nicht mit dem Arm an den Tisch anstößt, aber wer stößt sich schon freiwillig an und holt sich dabei blaue Flecken?!) .
Samuel-Heinicke-Realschule für Schwerhörige in München
Diese Realschule ist eine private Schule für Schwerhörige, die ebenfalls Hörenden, Gehörlosen und Legastheniker den Schulbesuch der Realschule für Schwerhörige erlauben. Seit der Privatisierung der Schule wurden es immer weniger Schwerhörigen und heute sind die Hörenden Schüler längst in der Überzahl. Ein sehr kleiner Teil davon sind Schwerhörige. Es sind angeblich nur noch 3 Gehörlose Schüler in dieser Schule.
Nach eigenen Schulerfahrungen von zwei Jahren an dieser Schule bin ich gegen dieses Schulsystem. Es gibt in Bayern ca. 1400 Schulen für Hörenden. Für Legastheniker und Mehrfachbehinderten gibt es spezielle Sonderschulen, wie für Schwerhörigen und Gehörlosen.
In einer Klasse von 10 Schülern waren 7 davon Hörend, einer schwerhörig, eine gehörlos und ein CI-Träger, aber eine warme Klassengemeinschaft war es nicht! Die sieben Hörenden bildeten eine Gruppe und mobbten gerne den Schwerhörigen, aber vor allem die eine Gehörlose in der Klasse. Jetzt stellt sich die Frage: Warum besuchen hörenden Schüler die Schwerhörigenschule, wenn sie Schwerhörige sowie Gehörlose ausgrenzen für die diese Schule vorhergesehen ist?
Ich war diese Gehörlose in der Klasse und verdanke dieser Schule meine negative psychosomatische Erschöpfung. Dies führte zu häufigen Fehlzeiten und auf Unterstützung der Klassenleiterin und Schulleiter konnte ich auch verzichten, da sie das Problem als harmlos dahinstellten. Nach meiner Rehabilitation mit psychologischer Betreuung verließ ich die Schule und ging an eine normale Realschule für Hörende. Da wurde ich zum erstenmal gleichberechtigt behandelt von den Lehrern sowie vom Direktor. Dies war eine ganz neue Erfahrung für mich nach der ganzen Diskriminierung und Bevormundung der Lehrer und Direktoren der Schwerhörigenschulen.
Die heutige Situation der Schule :
Aus der FFB-Merkur am 5. August 2002

Aus der FFB-Merkur am 10. September 2002

Aus der Süddeutschen Zeitung am 11.
September 2002

Aus dem Weltspiegel am 13. Oktober 2002

Aus der Süddeutschen Zeitung am 18.
November 2002


Ausbildung :
Erfahrungsbericht von Anneliese :
Als ich nach meinem Realschulabschluss 1973 eine Ausbildung in Oberschleißheim bei München als VMTA – Veterinär-Medizinisch- Technische Assistentin begann, hatte ich keine Ahnung was mich dort erwartete.
Wir waren 36 SchülerInnen in einem Lehrgang. Vormittags arbeiteten wir im Labor und sammelten praktische Erfahrungen, nachmittags fand der theoretische Unterricht statt, was für mich als Gehörlose oft nicht einfach war, weil wir verschiedene Fachlehrer hatten und jeder ein anderes Mundbild hatte, und außerdem gingen sie immer hin und her was auch für mich sehr unmöglich war alles mitzubekommen, damals gab es keine Gebärdensprachdolmetscher und der Schulleiter machte mich schon von Anfang aufmerksam, dass diese Ausbildung für Hörende genauso schwer ist wie für mich. Sogar die Fachlehrer hatten große Zweifel, ob ich die Ausbildung überhaupt bestehen würde.
Ich hatte Glück einen väterlichen Freund
gefunden zu haben, der die Tollwutabteilung leitete und eine Kehlkopfverletzung
vom Krieg davongetragen, so dass viele große Schwierigkeiten ihn zu verstehen
hatten, aber ich verstand ihn gut, da ich von seinem Mund gut ablesen konnte.
Darüber war er glücklich, so lieh er mir sein Gehör und ich ihm meine Stimme.
Durch unsere Gegenseitige Hilfe waren wir immer zusammen, so dass sich nach und
nach die anderen Fachlehrer auch wieder um mich bemühten.
Ich schrieb von einer Mitkollegin den
Unterrichtsstoff ab, aber ich verstand oft den Inhalt nicht. Und auf meine
Fragen was damit gemeint war, bekam ich auch keine Antworten, also musste ich
alles selber lernen und viele Fachbücher lesen.
Meine Danksagung gilt Dr. Fritz Osthoff , weil er mir stets Mut machte weiter zu machen.
Obwohl ich oft deprimiert war, lernte ich fleißig bis zum
Abschluss und ich bestand meine Abschlussprüfung mit gutem Durchschnitt.
Erfahrungsbericht von Rolf :
Bericht in Bearbeitung!
Erfahrungsbericht von Sarah :
Massageschule Storck in Bad Endbach bei Marburg an der Lahn
Es trafen drei Gehörlose die das Ziel hatten Masseur und medizinischer Bademeister zu werden an dieser Massageschule zusammen, da ihnen versprochen wurde, dass die Schulleiter gebärdensprachkompetent sind und sie gesondert von der Ausbildungsgruppe unterrichtet werden, aber leider wies sich das Versprechen als leeres Versprechen aus, da die Gehörlose zwar gesondert, aber nicht von gebärdensprachkompetente Lehrkräfte unterrichtet wurden, so dass doch Kommunikations- und Verständigungsprobleme zwischen den gehörlosen Schülern und den Lehrern gab. Eine Schülerin brach nach einem Monat die Ausbildung ab, da sie sich diese hohe Kosten der Sonderunterrichtsstunden, die sich nicht von dem normalen Unterricht an den hörenden Ausbildungsteilnehmer unterschied, nicht leisten konnte. So machten nur noch zwei Schüler wacker weiter, denen nun ein Gebärdensprachdolmetscher versprochen wurde, jedoch warteten sie Tage, Wochen, Monate auf das einlösen dieses Versprechens bis sie die Eigenintinative ergriffen und beim Integrationsamt einen Antrag auf Kostenübernahme eins Gebärdensprachdolmetscher stellten, welches eine positive Zustimmung erhielt, aber da lehnte der Schulleiter mit der Begründung, dass er selber in Gebärdensprache unterrichtet den Einsatz eines Gebärdensprachdolmetschers ab, damit sie die hohen Extrakosten für die Sonderunterrichtsstunden abkassieren können. So brach die zweite Schülerin die Ausbildung nach ewigen Warten nach einem halben Jahr die Ausbildung auch ab und wendete sich an Dr. Ulrich Hase, der die Behindertenbeauftragte der Staatregierung empfahl, die diese Angelegenheit, dann von den zuständigen Behörden untersuchen lies, aber die Schulleiter zeigten eine Bestätigung, dass sie Gehörlose unterrichten dürfen, aber diese stamm von ihrem Vorgänger, der in LBG unterrichtet hat und inzwischen schon verstorben ist. Diese Bestätigung wäre eigentlich nicht mehr gültig und laut BBiG – Berufsbildungsgesetz siebter Abschnitt der berufliche Bildung behinderter Menschen nach § 48a haben Hörgeschädigte in der Berufsausbildung ein Recht auf Gebärdensprachdolmetscher und die Zulassung von Hilfsmitteln.
Der dritte und letzte von den drei Gehörlosen macht meines Wissens nach immer noch die Ausbildung ohne gebärdensprachkompetente Lehrer und Gebärdensprachdolmetscher.
Arbeitsplatz :
Erfahrungsbericht von Anneliese :
Nach der Ausbildung fand ich eine Stelle an der Tierklinik der LMU – Ludwig-Maximilans-Universität München und inzwischen seit mehr als 25 Jahre dort beschäftigt. Mit meine Kollegin Angela verstand ich mich auf Anhieb gut und wunderte mich schon bei der Vorstellung warum sie so deutlich mit mir redete. Heraus kam, das sie bevor sie die Stelle gewechselt hat, beim HNO-Arzt beschäftigt war, deshalb hat sie auch Erfahrung im Umgang mit Hörgeschädigten.
Meine Chefs und die Doktorranden, die ich bei ihrer Doktorarbeit unterstützte und unterstütze, mussten mich auch erst kennenlernen, aber jetzt ist es schon selbstverständlich, dass es nur noch kleine Kommunikationsprobleme gibt.
Erfahrungsbericht von Rolf :
Bericht in Bearbeitung!